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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

209. Freitagsbrief (vom Februar 2009, aus dem Russischen von Dr. Martin Creutzburg).

Ukraine
Gebiet Saparoshez
Roman Jakowlewitsch Vorona.

(…) Auf Ihre Bitte schreibe ich etwas über mich.

Bis zum Krieg arbeitete ich auf der Krim in Feodossija beim Straßenbau. Als der Krieg begann, ließ man uns in Reserve Verteidigungsbauten errichten, danach wurden wir zur Verteidigung Moskaus geschickt. Dort geriet ich bei Smolensk in Gefangenschaft. Es begann der Leidensweg. Wir wurden von einem Lager ins andere geworfen. Smolensk [Dulag 240], Orscha [Stalag 353], Jareslowsche [Jaros?aw Stalag 327/Polen], Peremysl [Przemys'l Stalag 327/Polen], Nemylitsch, Czestochow [Czéstochowa Stalag 367/Polen], Wietzendorf [Stalag XD (310)], Sampostel Z.N.B.-10 [Sandbostel Stalag XB].

Die Wachen im Lager bestanden im wesentlichen aus Deutschen. Jeden Morgen wurden die Toten heraus geschafft. Beim Schlafen legen habe ich gedacht: Morgen kann man auch mich hinausschaffen. Danach kamen wir ins Lager Dulkdorf [Dumstorf?], Kreis Lüneburg, Station Dahlenburg, jeder von uns wurde einem Bauern zugeteilt. Nachts im Lager, am Tage beim Bauern. Wir sahen nicht wie Menschen aus, sondern wie Knochen mit Haut überzogen.

Ich wurde dem Bauern Willi Stute zugeteilt. Diesen Leuten sind wir dankbar, sie haben uns nicht sterben lassen, sie haben uns wieder auf die Beine gebracht. Dort endete auch der Krieg. Zweieinhalb Monate liefen wir nach Hause, zu Fuß. Als wir ankamen, wurden wir in den Belorussischen Wald zum Holzeinschlag gejagt, zwei Jahre lang haben wir Holz eingeschlagen und Datschen für Generäle gebaut. Das Schicksal hat uns auferlegt, erst in Hitlers Gefangenschaft und dann in Stalins Einkerkerung zu sein.

Nach Hause kam ich im Mai 1947. Habe geheiratet. Meine Frau war auch Zwangsarbeiterin. Arbeitete bei einem Bauern unweit von Frankfurt/Main. 1945 kam sie nach Hause. Wir sind schon 62 Jahre zusammen.

Weil ich nicht eingezogen worden war und von der Heimat an die Front geschickt, erhielt ich nicht den Status eines Kriegsteilnehmers und einige verdächtigten mich, dass ich freiwillig in Gefangenschaft gegangen wäre. Eine Entschädigung haben sie auch nicht gegeben. Ich bekomme die Minimalrente 570 Rubel/Monat, obwohl ich das ganze Leben im Kolchos für Kopeken und Arbeitstage gearbeitet habe. Im Lager waren viele unserer nächsten Verwandten!

Nilinenko Nikolai Vassiljewitsch
Boiko Fjodor Semjonowitsch
Gorkun Iwan Antonowitsch
Dushenko Iwan Afansjewitsch
Naumenko Nikolai Pawlowitsch
Rukoman Petro
Skakun Andreij und viele andere.

Als wir jünger waren, haben wir uns getroffen, aber jetzt sind nur wenige übrig geblieben.

Deshalb danke, dass Sie uns nicht vergessen haben und der Jugend über unser nicht leichtes Schicksal berichten, über den Faschismus. Friede sei auf der ganzen Welt. Ihnen wünsche ich Gesundheit und Erfolge bei der Arbeit Ihres Vereins.

Hochachtungsvoll Roman Jakowlewitsch Vorona

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