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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

208. Freitagsbrief (vom Oktober 2007, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Aleksandr Iwanowitsch Pjatajkin
Russland
Krasnodar.

(…) Sie fragen, wie ich heute lebe. Ich bin 86 Jahre alt und lebe mit meiner Frau zusammen, sie ist 84 Jahre alt. 63 gemeinsame Ehejahre liegen hinter uns, seit 1946 gehen wir Hand in Hand. Meine Frau und ich haben zwei Töchter, zwei Enkelinnen und drei Urenkel. Wir verstehen uns alle sehr gut, unsere Kinder und Enkel vergessen uns nicht und kommen uns oft besuchen. Ich bin dem Schicksal sehr dankbar für dieses Glück.

Ich bin nicht auf dem Kampffeld in Gefangenschaft geraten, sondern in meiner Heimatstadt. Nachdem ich verwundet worden war, hatten sie mich zur Genesung nach Hause zu meiner Mutter geschickt. Zu der Zeit aber besetzten deutsche Truppen die Stadt und nahmen mich, einen jungen Offizier der Sowjetischen Armee, gefangen. Bereits auf russischem Gebiet musste ich so viele Schikanen und Erniedrigungen von Seiten der deutschen Soldaten über mich ergehen lassen. Die Wunde an meinem Fuß ging wieder auf und sie wollten mir das Bein amputieren, aber ich ließ das nicht zu. Gott der Herr beschützte mich; unsere Ärzte unter den Kriegsgefangenen pflegten mich wieder gesund.

In Deutschland war ich in den Lagern in Blankenburg [Harz?] bei der Torfgewinnung und im Steinbruch. Dort war es furchtbar. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, treten mir Tränen in die Augen, und in meinen Träumen kämpfe ich immer noch und durchlebe die Schrecken dieses furchtbaren Krieges. Aber wissen Sie, meine Herren, ich denke, dass die deutschen Soldaten unfreiwillig in den Krieg zogen. Man sagte ihnen, dass sie kämpfen müssen und sie gingen an die Front. Es gab unter ihnen gute und humane Soldaten, nicht alle waren Bestien und Halunken.

So ein schweres Leben liegt also hinter mir, aber es war auch ein glückliches. Und ich bin so alt geworden.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre herzlichen Worte; ehrlich gesagt habe ich geweint, als ich Ihren Brief las. Gebe Gott, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel nie so etwas durchmachen müssen wie wir vor 65 Jahren. Ich wünsche Ihnen, dass in Ihren Familien immer Glück, Wohlergehen und Liebe herrscht. Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung, ich kann sie sehr gut gebrauchen. Mit den besten Grüßen,

Aleksandr Iwanowitsch Pjatajkin, 20.10.2007

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