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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

202. Freitagsbrief (vom 12. Mai 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Georgien
Natenebi
Grigar Kinkladse.

(…) Ich, Grigar Kinkladse, wurde 1918 geboren. 1939 habe ich die Pädagogische Fachschule in Kobulesk abgeschlossen. Meinen Armeedienst begann ich in Leningrad. Nach Ende des Krieges gegen Finnland wurden wir nach Weißrussland verlegt, nach Witebsk. Am 19.6.1941 wurden wir mit einem Transport weggebracht, es hieß, wir fahren Richtung Westen zu einem Manöver. Am 22.6. kamen wir im Westen von Weißrussland an und man sagte uns, dass die Deutschen den Krieg gegen uns begonnen hätten. Wir hatten keine Munition und traten den Rückzug an, führten Verteidigungskämpfe, dann wurden wir eingeschlossen und gefangen genommen. Ein paar Tage später brachten sie uns nach Polen in ein Lager. Dort haben wir nicht gearbeitet. Einige Zeit später wurden wir nach Deutschland überführt, nicht weit von Berlin. Dort mussten wir jeden Tag arbeiten. Wir mussten Waggons mit verschiedenen Metallwaren und Stacheldraht beladen. Fast jeden Tag wurden neue Transporte losgeschickt. Die Arbeit war schwer, wir hatten keine Handschuhe und es war Winter. Ich blutete an der Hand und konnte nicht arbeiten, aber sie zwangen mich zu arbeiten. Eines Tages, als wir zur Bahnstation gebracht wurden, beschloss ich, nicht zu arbeiten, ich ließ mich auf die Erde fallen und dachte, warum soll ich mich so quälen, lieber werde ich sterben. Der leitende Aufseher schlug mich, sagte, steh auf und geh arbeiten, aber ich stand nicht auf. Dann kam ein anderer, er brachte mich in die Küche und sagte, ich soll Kartoffeln schälen. Also schälte ich rohe Kartoffeln, aß auch welche, und als es dunkel wurde, ging ich schlafen. Nachts hatte ich starkes Fieber und am nächsten Morgen konnte ich nicht aufstehen. Es war Typhus. Mich und noch einen anderen Gefangenen brachten sie mit dem Auto weg, dort mussten wir uns waschen. Als wir herauskamen, um uns anzuziehen, stand dort ein Soldat, er sah uns an und sagte: „Nix gut wasche“[*], und dann spritzte er uns mit kaltem Wasser ab. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich wieder anzog, ich war bewusstlos, und als ich wieder zu mir kam, war ich im Krankenhaus. Wieder gesund, kam ich wieder in eine Baracke, aber an einem anderen Ort.

Im Sommer brachten sie mich zur Arbeit im Bergwerk, dort habe ich vier Monate gearbeitet, danach kam ich nach Frankreich, nach Lothringen in die Stadt Amboni [?]. 1944 befreiten uns amerikanische Landetruppen. Als der Krieg zu Ende war, wurden wir mit Transporten aus Frankreich in die Sowjetunion gebracht.

1946 durfte ich nach Hause. Ein Jahr später, 1947, wurde ich nach Sibirien verschickt. Dort habe ich eine Deutsche geheiratet, sie war auch verschickt worden. Wir haben einen Sohn und zwei Töchter. Die Mädchen sind verheiratet und haben Familie.

Ich wohne bei meinem Sohn. Er hat studiert, ist Bauingenieur, aber er ist arbeitslos und sitzt zu Hause.

Ich habe von Ihnen 300 Euro bekommen und danke Ihnen sehr dafür. Aus unserem Dorf waren 600 Personen im Krieg, von ihnen sind 300 wieder zurückgekommen. Heute sind noch sieben am Leben, darunter drei Kriegsgefangene. Wir leben jetzt sehr schlecht, es gibt keine Arbeit.

Ich möchte Sie bitten, wenn Sie können, dann helfen Sie uns bitte, wir haben in Deutschland viel gearbeitet.

Georgien ist ein sehr schönes Land, bitte kommen Sie uns besuchen, wir würden uns sehr freuen. Wir haben schöne Urlaubsorte. Ich lebe fünf Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt.

Ich danke Ihnen sehr und wünsche Ihnen viel Glück im Leben.

G. K. Kinkladse.

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[*] Deutsch geschrieben.

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