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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

188. Freitagsbrief (vom Mai 2005, aus dem Ukrainischen von Iryna Berndt).

Ukraine
Gebiet und Bezirk Tscherkassy
Leonid Fedorowitsch Schpatschenko.

Lebenslauf.

Ich, Schpatschenko Leonid Fedorowitsch, wurde am 2. September 1919 im Dorf Bilosirja, Bezirk Tscherkassy, Gebiet Tscherkassy, geboren.

1938, nachdem ich die Landwirtschaftsfachschule für Mechanisierung und Elektrifizierung in Tscherkassy absolviert hatte, bewarb ich mich bei der Panzeroffiziersschule in Poltawa und wurde immatrikuliert. 1940 absolvierte ich dann als Leutnant die Schule und wurde zum Panzerzugkommandanten des 80. Aufklärungsbataillons der 25. Tschapajew-Division ernannt. Am ersten Tag des Vaterländischen Kriegs, den 22. Juni 1941 habe ich die Grenzsoldaten der 5. Grenzwache (bei der Stadt Reni in Bessarabien) bei der Abwehr des Angriffs der rumänischen Streitkräfte unterstützt.

Nach dem Rückzug der 25. Division nach Odessa habe ich dann an der Verteidigung der Stadt Odessa durch die Küstenstreitkräfte teilgenommen. Im Oktober wurden die Streitkräfte auf dem Seewege nach Sewastopol gebracht, wo ich an der Verteidigung Sewastopols teilnahm, bis die Stadt durch die deutschen Streitkräfte genommen wurde. Am 4. Juli 1942 am Kap Chersones, als ich bereits Oberleutnant war, wurde ich nebst vielen Tausenden sowjetischer Soldaten, die der Küstenarmee angehörten, gefangen genommen.

In der Kriegsgefangenschaft befand ich mich zuerst zusammen mit meinen Soldaten P.K. Schanin, M.B. Wolow, Iwanow u. a. in einem „Soldatenlager“, der Armeearzt unseres 80. Bataillons Chodanowitsch aber, der in Begleitung eines deutschen Offizier Kontrollen gemacht hatte, verriet mich und andere Offiziere. So wurden wir in ein Offizierslager versetzt und dann nach Deutschland gebracht.

In Deutschland wurde ich einer Mannschaft aus 60 kriegsgefangenen Offizieren zugewiesen und zum Arbeiten in einen Steinbruch gebracht. Dieser Steinbruch befand sich im Sudetengebiet, ca. 50 km von Karlsbad entfernt. Der Steinbruch befand sich in einem Gebirge inmitten eines Kiefernwaldes. Nicht weit vom Steinbruch befand sich ein Werk, in welchem die Steine zu Schotter verarbeitet wurden. Der Schotter wurde dann aus den Bunkern heraus mit einer Seilbahn zur Eisenbahn befördert. Manchmal kamen kriegsgefangene Franzosen mit großen LKWs zum Steinbruch und holten sich Schotter ab.

Im Steinzerkleinerungswerk arbeiteten ein ehemaliger polnischer Soldat, der aus Westbelarus stammte, und ein Kollege von ihm, ebenfalls ein Kriegsgefangener, namens Alex, der als Elektriker im Werk tätig war und für Deutsche und Kriegsgefangene dolmetschte. Die beiden hatten Extraunterkünfte und wurden nicht bewacht. Von morgens bis abends haben wir im Steinbruch gearbeitet und wurden durch 6 bis 8 Soldaten mit einem Feldwebel an der Spitze bewacht. Durch den einen Soldaten mit dem linken Glasauge wurden wir als Kriegsgefangene am meisten schikaniert und täglich geschlagen. Einen meiner Kollegen, der ebenfalls Leutnant war, hat dieser Soldat mit einem Gewehr im Steinbruch erschossen. Die beiden deutschen Meister haben uns bei der Arbeit überwacht, und der jüngere davon hatte uns auch oft geschlagen. Die Arbeitsnorm für Kriegsgefangene bestand aus 12 Kipper voll mit Hammer zerkleinerten Steine, die wir manuell zum Werk per Schienen schieben und die Steine dort in den Zerkleinerer umkippen sollten. Falls welche von uns ihre Tagesnormen nicht einhielten, bekamen diese weniger zu essen und wurden auch geschlagen. Besonders brutal wurden wir nach den beiden Ausbruchsversuchen geschlagen – sie gaben uns 3 bis 4 Tage und Nächte lang nichts zu essen und wir wurden um die Nachtruhe gebracht. Die Tagesverpflegungsrate bestand aus 200 g Brot, Kohlrüben und Kartoffeln – vorausgesetzt, die Tagesnorm wurde eingehalten. Gegessen wurde immer morgens und abends. Gewohnt hatten wir in einer angepassten Holzbaracke ohne Fenster und mit „dicker“ Luft, in der zweistöckige Liegepritschen standen.

Der Leiter des „Basaltwerks“ wohnte mit seiner Familie unweit vom Werk, war etwa 40 Jahre alt und trug eine Brille. Zusammen mit mir arbeitete im Steinbruch ein Landsmann von mir, Wdowitschenko Filipp Wasiljewitsch, der aus dem Dorf Dementzi, Bezirk Tschygyryn stammte und Oberleutnant war, sowie der Hauptmann Krassikow, Komarow und andere. Gearbeitet habe ich in diesem Steinbruch vom Herbst 1942 bis April 1945. Als die Sowjetarmee schon nahe war, haben sie uns in Richtung Westen getrieben. Bei der Stadt Mias wurden wir durch ein amerikanisches Panzerbataillon befreit. Im Mai 1945 haben uns die Amerikaner dann an die sowjetischen Streitkräfte übergeben und wir wurden im Vernichtungslager Oswienzim (Auschwitz) untergebracht. Dort wurden wir durch Smersch kontrolliert, dann haben sie uns nochmals bei Wyschni Wolotschek kontrolliert, und im Dezember 1945 wurde ich dann freigelassen, mit Wdowitschenko zusammen.

Unterschrift

Pass HC 155090, Ausweis des Kriegseilnehmers AA Nr. 364848, Rentenausweis Nr. 100642.

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