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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

186. Freitagsbrief (aus dem Russischen übersetzt von Valerie Engler).

[Es schreibt die Tochter Olga Wiktorowna Podstawina]].

Wiktor M. Kulikow
Russland
Gebiet Saratow.

Guten Tag!

Sehr geehrte Mitglieder des Vereins „Kontakte“,

Von ganzem Herzen möchten wir Ihnen ein Frohes Neues Jahr 2010 wünschen. Unsere ganze Familie wünscht Ihnen beste Gesundheit, Erfolg bei Ihrer umfangreichen Arbeit, Verständnis füreinander, viel Liebe und Frieden in der Familie. Möge der Himmel über Ihren Köpfen immer blau und rein sein.

Mein Vater, W. M. Kulikow, wurde 1918 im Dorf Popowka im Gebiet Saratow geboren. Im Oktober 1939 wurde er in die Rote Armee einberufen und diente im 650. Infanterieregiment der 200. Infanteriedivision, 5. Armee. Am 27.9.1941 wurde er bei Orshiza im Gebiet Poltawa (Ukrainische SSR) von deutschen Truppen gefangen genommen. Er hat den deutschen Soldaten alles längst verziehen, sie haben nicht freiwillig gekämpft und russische Soldaten getötet.

Vater war im Lager für Kriegsgefangene in Poltawa in der Ukrainischen SSR [Dulag 151], die zeitweise von den deutschen Truppen besetzt war. Am 1. Dezember wurde er nach Deutschland überführt, wo er im Lager für Kriegsgefangene Nr. II B (315) Hammerstein (II. Wehrkreis Stettin) war. Dann wurde er in Finnland und Norwegen (in Flisa) als Gefangener gehalten und wurde dort als Zwangsarbeiter beim Holzfällen eingesetzt. Vater erinnert sich noch an seine persönliche Lagernummer: IIB/118987.

Vater ist in einer armen Familie aufgewachsen, musste schon mit neun Jahren in der Kolchose arbeiten und hat zur Genüge Hunger und Kälte miterlebt. Wenn er sich an die Gefangenschaft zurück erinnert, muss er weinen, er sagt zu mir, ach Töchterchen, zweimal habe ich versucht zu fliehen, aber ich war zu schwach, sie haben mich eingefangen und mit Stöcken verprügelt und die Hunde auf mich gehetzt, bis ich halbtot war.

Sein Körper ist vom Kopf bis zu den Füßen mit Schrammen und Narben überzogen. Am 9. Mai 1945 wurde er von englischen Truppen befreit. Unser Botschafter Ananjew kam, um die Gefangenen abzuholen. Mein Vater hat ein sehr gutes Gedächtnis, er kann sich noch an alles erinnern, obwohl er schon 91 Jahre alt ist, und ich bin erst 60 und habe ein ganz schlechtes Gedächtnis. Am 25.7.1945 wurde Vater an die sowjetische Kommandoführung zur Repatriierung übergeben. Die Filtration durchlief er in der Abteilung für Spionageabwehr und „Smersch“ beim 127. Ersatz-Infanterieregiment, 33. Ersatz-Infanteriedivision. Im August 1945 wurde er bei der Abteilung des Innenministeriums der UdSSR im Gebiet Moskau der Sonderüberprüfung unterzogen.

Wenn unsere Väter und Großväter nicht den Sieg erkämpft hätten, würde es uns alle heute nicht geben, sie alle verdienen größte Hochachtung, die, die am Leben geblieben sind, wie auch die, die in der kalten Erde liegen, ihre Heldentaten werden uns ewig im Gedächtnis bleiben.

Vater ist 91 Jahre alt, schon seit einem Jahr ist er blind, meine Mutter ist seit vier Jahren nicht mehr unter uns, ist von uns gegangen. Er lebt jetzt bei uns, das ist für uns sehr schwer, ich bin 60 Jahre alt, mein Mann ist 66 Jahre alt und Invalide zweiten Grades, er hatte einen Unfall bei der Arbeit.

Als die Zeiten des Leidens vorbei waren, ist Vater in sein Heimatdorf zurückgekehrt und hat sein ganzes Leben als Agrotechniker gearbeitet, er wurde als Spitzenarbeiter und Arbeitsveteran ausgezeichnet. Mit meiner Mutter hat er 57 Jahre gemeinsame Jahre verbracht. Nach der Rente hat er noch weiter als Agrotechniker gearbeitet. Er hat schon einen Urenkel, nun möchte er noch einen Ururenkel miterleben.

Wir danken Ihnen sehr für Ihre Unterstützung. Ich habe ihm den Brief vorgelesen und er hat geweint. Wir haben großen Respekt vor dem, was Sie leisten.

Geben Sie gut auf Ihre Eltern Acht.

Olga Wiktorowna Podstawina, die Tochter des Kriegsgefangenen.

Wir haben Ihren Brief am 23.12. bekommen und antworten Ihnen umgehend.

Auf Wiedersehen.

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