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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

166. Freitagsbrief (vom 9. Januar 2009, aus dem Russischen übersetzt von Dr. Martin Creutzburg).

Russland 450044
Baschkirien
Ufa
Harun Kamalowitsch Sabitow.

Sehr geehrter Herr Gottfried Eberle!

Auf Ihren Brief „KOHTAKTbI“ aus Berlin vom 28.11.2008 antwortet Ihnen der ehemalige Kriegsgefangene der Roten Armee Sabitow Harun Kamalowitsch, Adresse: /wie oben/. Zuallererst bin ich Ihnen sehr dankbar für Ihren freundlichen Brief und dafür, dass Sie Verständnis haben für das, was die Kriegsgefangenen der Roten Armee in den Lagern für Kriegsgefangene erlebt haben.

In Gefangenschaft befand ich mich von September 1941 bis April 1945, bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen. Von September 1941 bis Oktober 1942 war ich im Lager für Kriegsgefangene auf dem von Deutschen besetzten Territorium im Gefängnis der Stadt Kirowograd (Ukraine) [Stalag 305]. Die Zustände der Unterbringung der Gefangenen im Lager waren derart unerträglich, dass von mehr als 10 000 Mann im Herbst 1941 zum Frühjahr 1942 ungefähr 800 am Leben blieben (oder 8 %).

Es ist schwer, das Leben der Kriegsgefangenen in den Lagern zu beschreiben. Die oben genannten Zahlen sprechen für sich. Bekanntlich hat die deutsche Wehrmacht in den Jahren des vergangenen Krieges einen Teil der Kriegsgefangenen der Roten Armee zwangsweise an Flakbatterien in den Städten Köln, Bochum, Essen, Dortmund und anderen eingesetzt, die von massierten Bombenangriffen durch anglo-amerikanische Bomber betroffen waren. Im Oktober 1942 wurde ich nach Deutschland gebracht. Ich kam nach Dortmund in eine Gruppe von Hilfsarbeitern von Kriegsgefangenen der Roten Armee bei einer Flakbatterie. Wir Gefangene mussten unter Aufsicht von deutschen Soldaten verschiedene physisch schwere Arbeiten erledigen. Die Ernährung war für solche Arbeit unzureichend: man hatte ständig Hunger. Nachts wurden wir eingesperrt. Mit Bewachung.

Nach der Befreiung, nach dem Krieg konnte ich im Jahre 1952 Hochschulbildung erlangen. Ich wurde Erdölingenieur.

Mein Aufenthalt in Gefangenschaft ging nicht spurlos vorüber: Er machte sich auf mein weiteres Leben in der Heimat nach dem Kriege bemerkbar, moralisch und materiell. Ich wurde zwar nicht nach Sibirien zur Zwangsarbeit verbannt, wie andere, aber dennoch wurde mir, da ich in Gefangenschaft war, nicht vertraut. In die Partei wurde ich nicht aufgenommen, da ich nicht Parteimitglied war, konnte ich keine leitenden Positionen innehaben und die entsprechenden materiellen Vergünstigungen.

Wir sind nur noch einige wenige. Wir sind alt und krank. Brauchen Unterstützung. Wir hoffen, dass unter Beachtung des oben dargelegten die deutsche Regierung Möglichkeiten findet, uns materielle Hilfe zu leisten. Ich bin Rentner, 88 Jahre alt. Meine Frau ist verstorben, ich lebe allein.

Während des Krieges ist die Stadt Dortmund durch anglo-amerikanische Bomber umfassend zerstört worden. Ich habe sie 1942 gesehen, als sie noch nicht zerstört worden war, das war eine schöne Stadt!

Ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Brief.

Sabitow H. K.

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