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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

145. Freitagsbrief (vom 11. November 2007, Übersetzung: Dr. Martin Creutzburg).

Russland
Kreis Krasnojarsk
Jejsk
Iwan Pawlowitsch Koska.

Sehr geehrte Mitglieder des Vereins Kontakte-Kontakty e.V.

Mit Dankbarkeit und Erkenntlichkeit für die herzlichen Worte über unsere gemeinsame außerordentlich schwierige und komplizierte Epoche in der Geschichte unserer vergänglichen Welt schreibt Ihnen Iwan Pawlowitsch Koska, der durch die Schmelztiegel fast aller bekannter Lager der schweren Kriegszeit gegangen ist (…) und im Krieg seinen Vater verloren hat. In Gefangenschaft war auch sein älterer Bruder Grigorij, der leider im Jahre 1999 im 81. Lebensjahr verstorben ist u.a. auch durch die Wunden, die er in jenem Krieg davongetragen hat. Die Zeit heilt natürlich, in dem Sinne, dass die vergangenen Lasten vergessen werden, aber die Töne der Kommandos in deutscher Sprache, die man manchmal in Filmen hören kann, verursachen seelischen Stress. Entschuldigen Sie die Beunruhigung, die meine Zeilen enthalten.

P.S. 300 Euro habe ich erhalten. Koska I. P.

P.S. Sehr geehrte Herren, da Iwan Pawlowitsch schlecht sehen kann, wurde der Brief von mir, dem jüngeren Bruder Viktor (71 Jahre alt) geschrieben, und ich als junger Zeuge dieses unheilbringenden Krieges, (ich war 4–7 Jahre alt) möchte drei Unglücke anmerken,

  1. Den Tod des Vaters, er kam direkt im Hafen von Jeijsk um, wo er ein Pferdegespann lenkte. An dem Tag im Oktober 1941 fuhr er deutsche Gefangene zum Dampfer, damit man sie in die Tiefe Russlands bringt. Es gab einen Luftangriff deutscher Flugzeuge, so kam mein Vater um und auch die deutschen Gefangenen bekamen etwas ab (das weiß ich und erinnere mich daran nach den Worten meines verstorbenen Mütterchen).
  2. In Jeijsk gab es bis zum Krieg ein Waisenhaus, in dem nicht gut entwickelte Kinder lebten, nach Ankunft der Deutschen hat man sie erschossen (214) Kinder.
  3. Als wir in Okkupation waren, gingen wir mit der Mutter, um nicht zu erfrieren (das war neben dem Hunger die zweite Kriegsbürde) zur Eisenbahn, wo die Dampfloks die Asche abluden, und da haben wir aus der Asche die unverbrannten Reste herausgeklaubt um den Ofen heizen zu können, da bei uns rundum Steppe ist und wir kein Feuerholz hatten.

Zum Schluss: Wir Kinder des Krieges haben die Schrecken der Okkupation erlebt und nicht weniger gelitten als die nach Deutschland Verschleppten. Weder unsere Führer noch Ihre sehen da ethische Probleme, schade, denn auch wir haben es heutzutage nicht leicht.

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