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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

136. Freitagsbrief (vom 16. Juni 2005, Übersetzung: Xenija Hahn).

Ukraine
Gebiet Tschernigow
Shytnik Iwan Kusmitsch.

An die Gebietsabteilung
des ukrainischen nationalen Fonds
‚Verständigung und Aussöhnung‘.

Antrag-Erklärung

Ich, Iwan Kusmitsch Shytnik, geb. am 26.09.1918 im Dorf Galytsa, Bezirk Nizensky (damals Lossyniwsky), wurde in die Reihen der Roten Armee Ende Juni 1941 einberufen, als der Krieg bereits begonnen hatte. Auf dem Territorium der West-Ukraine sind wir Armeeangehörige in Gefangenschaft in der Nähe der Stadt Trambowl geraten. Man brachte uns Gefangene in Güterwaggons unter, in welchen man Vieh transportierte, und fuhr uns 4 Tage lang, ohne uns Wasser und Essen zu geben, bis zu der Stadt Wyntow, da arbeiteten wir (reinigten die Kanäle). Danach überführte man uns zu der Stadt Big, man brachte uns in den Lagern für Kriegsgefangene (Stalag 326, „Sennelager“) in Deutschland unter.

Zur Arbeit und von der Arbeit führte man uns unter Bewachung (die Deutschen waren bewaffnet und mit Hunden), morgens und abends wurden die Namen aufgerufen, jeder von uns hatte am Hals eine metrische Nummer, man ernährte uns hauptsächlich mit Kohlrüben und Spelzen von Hafer. Wir schliefen in den Baracken, die mit dem Stacheldraht umzäunt waren, auf Brettern ohne Matratzen. Die Baracken waren auch bewacht. Wo wir arbeiteten, sagte uns keiner, wir trugen schwere Kisten, später verstanden wir, dass es eine Militärfabrik war.

Harte Arbeit und Beleidigungen waren unerträglich. Eines Tages am Abend versammelten sich 7 Gefangene und versuchten zu fliehen, egal was danach kommt. 25 Kilometer gingen wir nicht, sondern krochen. Beim Namensaufruf bemerkten die Deutschen, dass wir verschwunden waren und man schickte bewaffneten Männer mit den Hunden. Einen Gefangenen zerfetzten die Hunde, den anderen zerrissen sie die Bekleidung; man brachte uns in das Lager zurück, verurteilt zu 40 Peitschenhieben, drei von uns starben, ich wurde von einem gefangenen französischen Piloten gerettet, er brachte Essen, dank ihm überlebte ich.

Ein halbes Jahr vor der Befreiung brachte man uns zum Arbeiten in der Landwirtschaft zu den Hauswirten (Fritz Gustav und Fritz Braun). Je drei Tage arbeiteten wir bei jedem. Wir erfüllten die Aufgaben: melkten die Kühe, die Tochter eines Hauswirts, Maria, brachte es uns bei. Wir passten auf das Vieh auf, bereiteten Futter zu. Zur und von der Arbeit fuhr man uns unter Bewachung, wir schliefen in den Baracken wie früher. Die Arbeit hier war leichter, und im Mai 1945 befreite uns die amerikanische Armee. Man holte mich an die Front zur 936. Fliegerabwehrartillerie Division, wo ich bis zum Juni 1946 diente. Ende Juni 1946 kam ich nach Hause zurück ins Dorf Step, Bezirk Lossyniwsky zu meiner Frau und meinem Sohn, wo ich auch heute noch lebe.

16.06.2005 (Shytnik I. K.).

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