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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

135. Freitagsbrief.

Belarus 222212
Gebiet Minsk
Botjanowskij Grigorij Grigorjewitsch.

Guten Tag, sehr geehrte Frau Dr. Hilde Schramm, Herr Eberhard Radczuweit und weitere Vereinsmitglieder,

Vielen Dank für die Geldhilfe sowie für die Arbeit, die Ihr Verein tut. Der Frieden auf unserem Kontinent ist sehr wichtig. Das ist sowohl für Ihre, als auch für unsere junge Generation schicksalsbedeutend. Damit ist natürlich unter anderem der Umweltschutz verbunden. Unser gemeinsames Haus Europa muss schön und wohlhabend sein.

Jetzt werde ich ein bisschen über meine Leiden während des Großen Vaterländischen Krieges berichten. Ich, Grigorij Grigorjewitsch Botjanowskij, wurde 1939 in die Armee einberufen. Ich diente in der Stadt Kaunas in Litauen. Als der Krieg begann, wurde ich im Laufe des Nahkampfes verletzt und bewusstlos gefangen genommen. Das war in der Nähe von Ortschaft Swentschany. Ich wundere mich selbst, wie ich überlebte und warum ich nicht abgeschlachtet wurde. Danach wurde ich nach Preußen ins Lager Hohenstein [Stalag IB, Ostpreußen d.Ü.] abtransportiert. Vom Lager geriet ich in ein Sägewerk „Bisserburg“ [Bischburg ? d.Ü.]. Das Werk hat ein Privateigentümer verwaltet. Ich weiß nicht mehr, wie er hieß. Danach sollten wir nach Belarus zurückgeschickt werden. Dort begann aber die Partisanenbewegung. Wir wurden ins Lager zurückgebracht. Das Lager stand direkt auf dem freien Feld. Gerade aus diesemLager kam ich nach Bisserburg zu einem Privatbesitzer Marquardt. Dort leistete ich verschiedene Arbeiten. Bei Marquardt arbeiteten Kriegsgefangene und Zivilisten zusammen. Sie waren bewacht. Ich habe nicht vergessen, wie ich mich mit zwei Mädchen, Erika und Christel, unterhalten habe. Der Verwalter verbat den Mädchen, mit Gefangenen zu sprechen. Aus diesem Grund werde ich nach Frankreich ins Todeslager „Bombesh“ [ Johannis Bannberg Bolchen Stalag XIIF in Lothringen d.Ü.] geschickt. Später wurde ich ins Lager „Kleine Rosseln“ [an der Grenze zum Saarland] überwiesen. Hier arbeitete ich im Bergwerk 6-7. Als die Amerikaner die Stadt Forbach bombardierten, wurden wir zur Schuttbeseitigung in der Stadt rekrutiert. Danach wurden wir zum Schützengräbengraben nach Pas-de-Calais gebracht. Zusammen mit den sich zurückziehenden deutschen Truppen wurden wir Richtung Deutschland getrieben. In Deutschland haben uns amerikanischen Truppen befreit. Wir gelangen ins Verteilungslager „Bomgoldar“ [?]. Hier wurden wir zum Dienst in der amerikanischen Armee für die Bewachung des Lagergeländes und der Trinkwasservorräte eingezogen. Ich diente drei Monate. Danach wurde ich an die sowjetische Armee übergeben. 1947 wurde ich entlassen. Ich werde über die Qualen im KZ [Stalag d.Ü.] nicht schreiben. Das ist wie eine große Narbe im Herzen. 1950 heiratete ich. Ich bekam eine 2-Zimmer-Wohnung. Meine Ehefrau und ich haben vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter. Sie sind bereits Erwachsene und haben eigene Familien. Sie respektieren uns und helfen immer. Ich habe einen Gemüsegarten und ein paar Ziegen. Letztendlich muss ich etwas tun! Meine Frau lebt nicht mehr. Ich wohne allein. Meine Gesundheit ist nicht so gut. Das ist aber kein Grund zum Meckern. Das Alter spielt aber zunehmend eine Rolle. Ich bin doch am 05.05.1920 geboren.

Möge Gott Ihnen ein langes Leben schenken. Ein Leben ohne Krieg. Vielen Dank für Ihre Sorgen und das Interesse an meiner Person.

Alles Gute und auf Wiedersehen

Botjanowskij.

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