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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

134. Freitagsbrief (vom 12. Januar 2009, Übersetzung von Gesine Reinwarth).

Ukraine
Nikolajewka
Nikolaj Kornejewitsch Koba.

Noch einmal Erinnerungen an meine Jugend im Krieg.

Mit 16 Jahren kam ich in Kriegsgefangenschaft. Zuerst brachte man uns in das Stalag XXI-C in der Stadt Küstrin. (Stalag XXI-C lag in Grätz in der Provinz Posen, bei Küstrin Stalag III-C, d.Ü.) Über die in diesem Lager durchlebten Schrecken habe ich schon früher geschrieben. Aus diesem Lager wurden wir in ein anderes gebracht, nahe Kummersdorf. (Bei Luckenwalde, Brandenburg, Versuchsstelle des Heereswaffenamts der Wehrmacht, d.Ü.)

In der Nähe dieses Dorfes befanden sich Magazine mit Kriegsmaterial. Aus uns unbekannter Ursache wurden drei dieser Magazine gesprengt und an ihrer Stelle entstanden Trichter von der Größe eines fünfgeschossigen Hauses. Wir mussten diese Trichter mit Sand zuschütten. Von früh bis abends schütteten wir mit dem Spaten Sand in sie hinein, wir arbeiteten ohne Pause bis zum Umfallen. Wenn man nur eine Minute aufhörte, um Atem zu holen, den Rücken zu strecken, da kommt schon der Aufseher mit einem Gummiknüppel, schlägt einen über den Rücken und schreit: „Los, los! Bewegen, dawai, dawai!“ (Deutsch geschrieben, d.Ü.) Das klingt mir seit damals im Kopf.

Im Lager bestand die Essensration morgens aus einer Tasse Tee, zum Mittag gab es eine Kelle Suppe aus Kohlrüben, zum Abendbrot gab es zum Tee ein Brot für 4 Mann. Einmal gab es Brot, eingewickelt in Zellophan mit dem Aufdruck 1934. Oft war es auch so: man schneidet das Brot auf, aber es ist innen hohl, alles ist faul. Dann hieß es, den ganzen Tag aushalten von einer Kelle Suppe. Bei solcher Verpflegung sollte man die Sandberge bewegen. Der Hunger mergelte uns aus, und es gab Fälle, wo Essensreste aus dem Müll gegessen wurden, das Ergebnis war eine Mageninfektion, und dann wurde man zur „Heilung“ in das Stalag gebracht, und dort kam der Tod.

Ins Bad konnten wir etwa einmal in 10 Tagen in Küstrin. Vor dem Eintritt in das Bad wurde die gesamte Kleidung in die Desinfektion gegeben (sie fürchteten Läuse). Nach dem Duschen kamen wir in einen kalten Raum. Ein Offizier kommt rein und schreit: „Luft seise!“ (Deutsch geschr., d.Ü.)und befiehlt, die Fenster zu öffnen. Viele wurden deshalb krank, sie kamen in das Lazarett, aus dem man nicht zurück kehrt. Nach solchen „Lektionen“ begannen wir im Lager, uns morgens mit kaltem Wasser zu begießen und uns nicht mit den Handtüchern abzutrocknen, sondern an der Luft trocknen zu lassen. Diese Abhärtung rettete viele und hält sich bei mir bis heute.

Mit Hochachtung,
der ehemalige Kriegsgefangene
Nikolaj Kornejewitsch Koba.

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