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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

127. Freitagsbrief (vom November 2007).

Estland
Ljaanemaa / Sinelepa
Alexander Hanstein.

Gruß aus Estland!

Ich, Alexander Juchanowitsch Hanstein, danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und die Entschädigung, die ich von Ihnen bekommen habe. Ich bin am 14. Dezember 1919 in Westestland, Bezirk Paebla, auf dem Hof Reche (oder Räche?) geboren. Ich habe meine Kinder gebeten, mir bei der Antwort auf Ihren Brief zu helfen.

Ich schicke Ihnen eine Kopie des Dokuments, das meine Kriegsgefangenschaft bei den Deutschen bestätigt.

Ich bin in einem Dorf geboren und aufgewachsen. Ich absolvierte fünf Klassen Schule und arbeitete auf dem Hof. Am 1. April 1940 wurde ich in die Estnische Armee einberufen. Im Juni 1940 übernahmen sowjetische Truppen die Macht. In Gefangenschaft geriet ich im Jahre 1941 bei Staraja Russa. Ich war Gefangener im Lager No6. Wir arbeiteten im Wald und auf dem Feld. Wir ernteten Kohl. Zu Essen gab man uns auch Blätter vom Kohl, die man in warmes Wasser tat. Als ich aus dem Lager frei kam, wog ich 45 Kilo. Mit mir waren in Gefangenschaft Avgust Vijk, Avgust Mutsu, Alexander Tikerpuu, Edgar Lyps, Werner Jaks, Peeter Villmann. Ich wurde in Walla am 9. November 1941 befreit. Nach der Befreiung musste ich oft zur Überprüfung nach Tallinn. Auch überwachte man mich bei der Arbeit in der Kolchose, in der ich als Mechaniker und Traktorist gearbeitet habe.

Ich habe drei Kinder. Meine Frau ist gestorben. Die Kinder leben getrennt von mir, jedoch sie helfen mir. Ich bin schon 88 Jahre alt. Früher bekam ich weder Hilfe noch Entschädigung für die Zeit in deutscher Gefangenschaft. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Hilfe. (…)

Hochachtungsvoll

Alexander Hanstein.

Nachtrag: Auf Nachfrage erwies sich, dass Herr Hanstein von der Wehrmacht aus der Gefangenschaft entlassen wurde, weil er Este war. Danach wurde er als ziviler Zwangsarbeiter in einer ehemaligen Kolchose beschäftigt. Nach der Befreiung Estlands durch die Sowjetarmee entging er Repressionen, weil ihm keine Kollaboration unterstellt wurde.

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