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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

119. Freitagsbrief (vom 11. Juni 2008, Übersetzung: Erwin Kummer).

Russland
Woronesh
Dmitrij Wasiljewitsch Tschernjanskij.

Sehr geehrte Mitglieder des humanitären Vereins Kontakty,

Mit freudigem Erstaunen erhielt ich von Ihnen eine finanzielle Unterstützung und noch mehr freute ich mich über Ihre Nachricht aus dem Land, in welchem ich meine unglückliche Jugend verbringen musste. Ich versichere Ihnen, niemals feindselig dem deutschen Volk gegenüber eingestellt gewesen zu sein: „die Hitlers und Stalins kommen und gehen, die Völker jedoch existieren ewig; sie müssen friedlich leben.

Während meiner Gefangenschaft lebte und arbeitete ich in dem Städtchen Höxter/Weser in der Standortkompanie [Original deutsch], die Bunker für die Zivilbevölkerung baute. Die anglo-amerikanischen Kräfte bombardierten die nahe gelegenen Städte – Essen, Kassel, Düsseldorf, Paderborn. Es kam vor, dass wir zur Räumung von Trümmern und zur Rettung Verwundeter eingesetzt wurden. Unsere Völker haben nicht nur gekämpft, sondern auch einander geholfen. Nach Rückkehr in die Heimat arbeitete ich auf dem Bau, habe Kohle gefördert und Metall geschmolzen, die letzten dreißig Jahre war ich Lokführer auf Strecken im Ural und Sibirien. Ich bin zufrieden darüber, dass ich niemandem Schaden zugefügt habe.

In Westfalen, in dem kleinen Ort Stukenbrock befand sich das Stalag 326. Ein Krematorium gab es dort nicht, die Verstorbenen wurden in Gräben begraben, es waren 65 000. Wir waren namenlos und bekamen Lagernummern. Meine Lagernummer war 35152.

Ihnen vielen Dank für die moralische und materielle Hilfe! Entschuldigen Sie, dass ich russisch schreibe, aber die deutsche Sprache habe ich völlig vergessen.

Hochachtungsvoll

Dmitrij Tschernjanskij.

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