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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

114. Freitagsbrief (Übersetzung: Viktoria Rau).

Konstantin Nikolajewitsch Newinskij
Gebiet Tschernigowskij
Ukraine.

Sehr geehrte Hilde und Eberhard!

Danke schön für Ihren gutherzigen Brief, für die moralische und finanzielle Hilfe. Im Februar dieses Jahres bin ich 92 geworden, das heißt, ich bin 1915 geboren. In meiner Familie waren wir fünf Brüder und eine Schwester. Drei Brüder und die Schwester nahmen am Krieg teil und wir alle kamen als Invaliden nach Hause.

Der Krieg erwischte mich im Sommermilitärlager in den Wälder des Tschernowitzer Gebiets (15 km von der Stadt Tschernowzi entfernt). Weil ich vor dem Krieg eine Fachhochschule als Zahnarzt absolvierte hatte, wurde mir befohlen, eine Gruppe zu leiten, die Verwundete vom Kampffeld wegtragen sollte. Später kam der Befehl uns zurückzuziehen, in Richtung der Stadt Nikolaew. Zur dieser Zeit hatte ich schon eine Wunde und Gehirnerschütterung, und darum war ich gefangen genommen worden, es war im Gebiet Winniza. Ich ging durch Gefängnisse und Kriegsgefangenenlager in den Städten Soroki (Moldowa), Temeschwar und Jassy (Rumänien), Krems an der Donau (Österreich). Wie man in solchen Lagern lebte, wissen Sie schon, ich werde das nicht beschreiben. Ich überlebte vielleicht nur dank meines Berufs, die Deutschen hatten auch Zahnweh. Sie können mir glauben, es war sehr schwer , unter der Pistolenmündung die eigene Arbeit zu machen …

Am 2. Mai 1945 wurden wir Gefangene von den Alliierten (Amerikanern) befreit, an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, wohin uns die zurückziehenden deutschen Truppen getrieben hatten. Wir wurden auf dem Gelände einer großen Aluminiumfabrik gelagert und später sowjetischen Truppen übergeben. Nach der Filtration blieb ich eine Zeit lang im Lager für befreite Kriegsgefangene (Lager Nr. 302 in Ungarn), wo ich wieder als Zahnarzt arbeitete. Von dort fuhr ich im November 1945 ins Vaterland, in die Stadt Neshin (Tschernigowsker Gebiet). Etwas später zogen wir mit meiner Familie in die Stadt Nosowka um, wo ich bis zur Rente als Zahnarzt-Prothetiker arbeitete. Ich habe drei Töchter – Olga, Zoja, Alla, 4 Enkelkinder und drei Uhrenkelkinder. Meine Töchtern helfen mir. Alle meine Brüder und meine Ehefrau Katharina sind schon gestorben. Ich lebe allein in Nosowka, im eigenen Haus, führe meinen bescheidenen Haushalt, interessiere mich für das Geschehen im Land und Ausland. Ich singe in einem Chor der Veteranen des vaterländischen Kriegs, am Tag des Sieges und an anderen Festtagen treten wir in Nosowka und in nahe liegenden Dörfern auf. Ich lernte selbstständig Noten und spielte bis vor kurzem auf dem Akkordeon (Weltmeister, 3,5 Oktaven). Aber meine Finger gehorchen mir jetzt nicht mehr, darum verkaufte ich mein Akkordeon. Danach lernte ich und spielte eine Zeit auf der Mundharmonika, die mir meine Enkelin geschenkt hatte.

Meine Gesundheit ist, in Anbetracht meines Alter, nicht schlecht, obwohl das Hörvermögen sinkt, ich habe Grauen Star und andere Probleme. So ist mein Leben verlaufen. Optimismus, Kinder und Enkelkinder geben mir Kraft. Ich hoffe mindestens so lange zu leben, wie meine Mutter, Anastasia Alekseewna Golowan-Medinskaja, sie lebte 107 Jahre, hatte 6 Kinder geboren und gut erzogen.

Noch einmal schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit zu uns und für Ihre vornehme Tätigkeit.

Diesen Brief zu schreiben und ein paar Kopien zu machen hat mir mein Schwiegersohn geholfen.

/Kopien: Zeitungsausschnitt, er mit Brüdern und mit Ziegenlämmern/.

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