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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

108. Freitagsbrief (vom 12. März 2008, Übersetzung: Viktoria Rau).

Alexander Fedorowitsch Igoschin aus Tatarstan.

Sehr Verehrte, herzlichen großen Dank Ihnen für die getane Arbeit, für die geleistete Hilfe für uns Kriegsgefangene, für unsere Zeit in der Gefangenschaft. Ich überlebte alle Lebensstrapazen, mag mich nicht an das alles erinnern. Durch so viele verschiedene Lager ging ich! Ich erinnere mich an Stargard, Tilsit, Hammerstein, Kolberg und Gutshof Klein Pobloth [Kreis Kolberg].

Wie ich mich erinnere, es kann sein, dass ich mich irre, waren in Kolberg 45 Baracken, ringsherum zwei Reihen Stacheldraht, Häuschen für die Wache und Wachturm. Ein Gebäude für Kranke, so ein Lazarett, zwei Gebäude fürs Wohnen, dort waren zweistöckige Pritschen, eine für Gemüse-und Lebensmittelaufbewahrung und eine Kantine. Unweit war ein Flugfeld. Fast am Meeresufer wurden Eisenbahnschienen verlegt, da wurde Sand zum Ausladen eingeliefert. Weiß nicht, wofür, vielleicht für Bauarbeiten.

Dort arbeitete ich ungefähr anderthalb Jahre, genau kann ich es nicht sagen.

Einmal ist ein alter Mann zu uns gekommen, er brauchte Leute, die sich in der Landwirtschaft auskennen. Er nahm diejenigen von uns, die vom Lande waren, und brachte uns auf den Gutshof Klein Pobloth.

Da war schon für uns ein Raum vorbereitet, wahrscheinlich eine ehemalige Garage, dort wurden zweistöckige Pritschen aufgestellt. Es war auch ein Ofen mit eingebautem Kessel fürs Essenkochen da. In der Nähe war ein kleines Häuschen, wo zwei Soldaten wohnten, unsere Wache. Wir waren dort 15–17 Menschen, genau kann ich nicht sagen. Drei von uns, Nikolaj, Filipp und ich arbeiteten im Pferdestall, mit uns noch zwei Menschen vom Dorf, jeder hatte 2 Pferde zu pflegen, nur ich hatte 4 Pferde. 2 Pferde waren für die Arbeit, eines war ein Reitpferd und noch eins für alles andere, man nannte es „alte Fuchs“ [Original deutsch mit kyrillischen Buchstaben].

Wie beschreibe ich den Arbeitsverlauf? Es gab einen Mann, der bestimmte, wer was machen sollte. Im Kuhstall waren auch 4 Personen beschäftigt, melken, füttern, pflegen. Noch 2 Personen im Schweinestall, einer war schon alt, einer war vom Dorf.

Im März 1945 befreiten uns russische Truppen. Wie soll ich die Befreiung beschreiben? Ungefähr 15 Kilometer von uns war ein anderer Gutshof, Groß Pobloth, dort arbeiteten russische junge Frauen, was mit ihnen passierte, weiß ich nicht.

Ich möchte einige Worte sagen über die Dorfbewohner von Klein Pobloth. Während der ganzen Zeit auf dem Feld, Getreideernte, Kartoffelernte trafen wir einander, ich sage, ein Dorfbewohner, Hermann, mit dem wir manchmal zusammen arbeiteten, gab mir heimlich Brot oder noch was. Seine Tochter Frieda was auch wie ihr Vater, gutherzig.

Alles, was ich geschrieben hatte, ist nur ein kleiner Teil meines Schicksals.

Entschuldigung, dass ich Ihnen so spät geschrieben habe, ich war ab 18. Februar bis 4. März in Behandlung. Kann sein, dass ich etwas nicht richtig geschrieben habe, wegen schlechten Erinnerungsvermögens, dann verzeihen Sie mir bitte.

Mit Respekt

Igoschin.

Zentral Archiv

Herrn Igoschin A. F.

Verteidigung Ministerium (Adresse) der Russischen Föderation

Stadt Zelenodolsk

„3“ Dezember 2002

Republik Tatarstan

N.3/128702

142100 Podolsk, Gebiet Moskau

Archiv Bescheid

Im Erfassungsbuch des Bestandes von Soldaten und Sergeanten des 243. selbständigen Reservepanzerbataillons der 1. Garde-Panzerarmee für das Jahr 1945 eingetragen:

Schütze Unteroffizier Igoschin Alexander Fedorowitsch, geb.1919, im ständigen Bestand ab 09.1939; einberufen vom Judinskij Bezirkswehrkommando Tatarische SS Republik;

diente im 59. Schützenregiment der 85. Schützendivision, gelangte in Gefangenschaft ab 03.071941 bei der Einkesselung bei der Stadt Lida, Polen (so im Buch). In Deutschland arbeitete er in der Landwirtschaft unweit der Stadt Kolberg. Befreit 04.03.1945; eingetroffen 11.04.1945, Befehl N.9C, ausgeschieden aus der 19. Gardemechanischen Brigade 12.04.1945

Begründung: 011433627 /1 Punkt 15: 243 selbständigen Reservepanzerbataillons der 1. Garde Panzerarmee ab 22 November 1944 bis 9 Mai 1945 war Bestandteil der kämpfenden Armee.

Begründung – Geschäftsverzeichnis 29, Seite 29

In Verwahrung gibt es keine Unterlagen der 19. Garde-Mechanischen Brigade für das Jahr1945, die notwendig für die Auskunft sind.

Anlage: Eine Kopie vom Bescheid auf drei Seiten

Stellvertretender Leiter Musatow

Ausgefertigt : Schuschijakowa

Stempel von Zentral Archiv

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Hauptarchivverwaltung beim Ministerium Kabinett Republik Tatarstan

Zentral Staatsarchiv

Historische-Politische Dokumentation der Republik Tatarstan

420055 Kazan Dekabristenstrasse 4

Tel. (8432) 57-83-74, 57-86-80

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25.12.2001 N.1214

RT 422547 Stadt Zelenodolsk

Auf N._____________ Stolitschnaja Haus 18 Wohnung 41

Herrn Igoschin A.F

Archivbescheid

Im Archivfond des Staatssicherheitskomitees gibt es folgende Angabe über IGOSCHIN ALEXANDER FEDOROWITSCH, geb.1919 in Dorf Bolschije Klütschi Judinskij Bezirk Tatarische Autonomie Sowjetische Sozialistische Republik: Igoschin A.F. wurde einberufen in RKKA 1939, diente als Soldat im 59. Schützen (Infanterie) Regiment .

Gefangen genommen 27 Juni 1941 bei der Stadt Lida. Befand sich in Lagern bis März 1945. Ab 9 August 1941 bis 8 April 1942 Stalag 315 (Kriegsgefangenen Nummer 2590), Stalag IID. Weitere Verlegungen , wann und vom wen befreit – nicht genannt.

9 April 1945 wurde er eingeschrieben ins 234. Armeereservebataillon, 13 April 1945 eingeschrieben in 19. Gardemechanische Brigade im 3. Bataillon.

Begründung: Fond.8233., Fond, Delo 5954, Seiten 10–21

Stellvertretender Direktor N.B.Jusupowa

Bearbeiter D.M.Zajnutdinowa

Stempel, Unterschriften

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