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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

105. Freitagsbrief (vom 22.02.2008, Übersetzung: Ludmila Lade).

Aus allen sozialen Schichten erreichen uns die Briefe. Wir veröffentlichen auch jene, deren Mühe beim ungewohnten Schreiben erkennbar ist. Der Originaltext des folgenden Briefes war schwer zu entziffern, er ist in ein lesbares Deutsch übersetzt. (E. Radczuweit).

Russland 423410
Tatarstan
Aleksandr Simin.

Danke Ihnen allen für Ihre Hilfe!

Ich war ein Krieggefangener – Simin Aleksandr F.

Entschuldigung Sie mich bitte, ich bin halber Analphabet. Ich habe in der Region Tschernigow, Krasninski im Lager gedient. Anfang des Krieges wurden wir im Zug nach Mogilew gebracht, dann weiter zu Fuß. Uns entgegen kamen auf der anderen Seite viele Menschen aus diesem Ort, mit kleinen Kindern. Dann sind wir nach rechts abgebogen, dort wollte man eine Brücke bauen. Ich war ein Richtschütze einer 45 mm Kanone und wollte die andere Seite der Brücke unterstützen. Danach kam der Befehl zur Verteidigung, zu spät. Im Morgenrot kam ein deutsches Flugzeug und später warf er ununterbrochen Bomben ab.

Das geschah über dem Dorf. Jemand stöhnte. Hilfe. Ich nahm den Kopf hoch, das war nicht möglich. Wir haben keinen einzigen Schuss abgegeben. Abends gab es einen Befehl: Wir sollten mit den Kanonen auf den Berg zurückkehren. Es versammelten sich wenige einfache Soldaten, bei uns waren keine Offiziere, nur ein Oberleutnant, er trug eine Infanterieuniform. Dass wir schon im deutschen Hinterland waren, wussten wir nicht. Er ging 40 km zu Fuß, ich kannte die Wege im Wald, wir sollten abbiegen, eine Zeit lang gingen wir und als wir eine trockene Senke erreicht hatten, kamen wir in einen Hinterhalt. Dort haben die Deutschen viele erledigt. Wir gingen weiter. Dann hat Kanonenkommandeur uns den Befehl gegeben: Der Ladehebel muss vergraben werden, rette sich, wer kann. Wir liefen im Wald umher und es kamen Motorräder und Autos und wir wurden eingesammelt und in eine große Schlucht getrieben. Danach wurden wir bis zum Stalag zu Fuß getrieben. Alle 2 m blieb ein Mensch, konnte nicht gehen, er wurde getötet. Es gab Hitze, weder Wasser noch Brot. Im Stalag standen Bäume und Büsche, alle waren kaputt, es gab nur Sand. Dann wurden wir nach Deutschland in den Ort Flipik [evtl. Flintbek d. Übers] in der Nähe von Kiel gebracht. Dort haben wir bei der Eisenbahn gearbeitet. Wir haben Holzschuhe getragen. Im Winter gab es Schnee. Das Land war flach wie ein Taschentuch. Jetzt kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Ich trage seit drei Jahren Filzstiefel, im Winter und im Sommer, weil meine Füße erfroren waren und ich Kopfschmerzen habe. Nach zwei Jahren wurde ich in einen Schacht gebracht (Ruhrgebiet, Swekolscholwinn?). Im Kohlenbergwerk, Zimmerleute, Tischler und Elektriker wurden gesucht. Es gab keine. Ich wurde in dieses Kommando geschickt. Ich arbeitete dort bis zum Ende. Befreit. Als die Amerikaner die zweite Front eröffnet hatten, wurden wir evakuiert, und wir sind zu Fuß zwei Tage gelaufen bis zum Lager. Am dritten Tag sind wir an einem Ort vorbeigegangen, an den Fenstern waren weiße Fahnen zu sehen. Sehr tief flog ein Flugzeug. Es gab unterschiedliche Menschen [sie verstanden und gingen nicht. Alle wurden eingesperrt in eine große Hütte] Vielleicht war das Feld vermint. Wir haben es nicht geschafft, dieses Feld zu erreichen, vielleicht Schicksal, deshalb lebe ich noch. Danach versammelten sich die ehemaligen Truppen, nach 2/3 Tagen wurde ich zum Stab abkommandiert. Mir wurde gesagt ich soll zu einer Reserveeinheit gehen, die Hilfsarbeiten machte, wo der Kompanieführer sich als mein Kamerad aus der Kriegsgefangenschaft erwies. Wir waren zusammen in einem Lager. Er trug die vollständige Uniform eines russischen Oberleutnants. Wir weinten. Danach wurde ich geprüft von der Sonderabteilung. Ich habe ein Jahr, 4 Monate im Deutschland gedient. Danach kehre ich nach Hause zurück und zog sieben Kinder groß. Jetzt werde ich von niemandem gebraucht, meine Frau ist gestorben.

Ich wohne mit meiner Tochter zusammen. Die Kinder haben eine Fachschule absolviert. Alle haben Berufe. Mein Schwiegersohn trinkt jeden Tag und arbeitet monatelang nicht. Ich entschuldige mich wegen meiner Verspätung und bin sehr aufgeregt. Ich war zwei Monate bei meinen Schwestern in Udmurtien.

Auf Wiedersehen

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