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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Shoa-Überlebende in der Ukraine.

„Allukrainische Assoziation der Juden, ehemalige Häftlinge der Ghettos und nazistischen KZs“. So heißt der wörtlich aus dem Ukrainischen übersetzte Name einer Partnerorganisation von KONTAKTE-KOHTAKTbI. Im Deutschen allgemein üblich ist die Bezeichnung: „Ukrainische Assoziation der Jüdischen KZ- und Ghettoüberlebenden.“ Die Assoziation gehört zu den ersten postsowjetischen jüdischen Nichtregierungsorganisationen, die als Nachfolgerverein der ukrainischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden „Sikarion Shoa“ Anfang der 90-er Jahren gegründet wurde. Die NGO hat landesweit etwa 4000 Mitglieder und verfügt über ca. 25 Niederlassungen in fast allen Gebieten der Ukraine, einschließlich der Krim. Jeder ukrainische Bürger, der als Erwachsener oder als Minderjähriger Opfer der NS-Gewalt in den besetzten Gebieten der UdSSR war, darf einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Aufgrund der schlechten Einkommensverhältnisse der Assoziationsmitglieder sind keine festen Mitgliedsbeiträge vorgesehen. Jedes Mitglied kann am Vereinleben je nach Möglichkeiten teilnehmen, zum Beispiel zum Fest ein Gebäck backen oder eine Veranstaltung vorbereiten. Einmal jährlich findet eine Mitgliederversammlung in Kiew statt. Vierteljährlich erscheint eine kleine Vereinszeitschrift mit Schilderungen der Aktivitäten und des jüdischen Lebens in der Ukraine. Alle Vereinsmitarbeiter sind ausschließlich ehrenamtlich tätig.

Vorsitzender ist Herr Dr. Boris Sabarko, ukrainisch-jüdischer Historiker und Autor einer Bücherreihe über die Geschichte des Holocaust in der Ukraine, die teilweise auch ins Deutsche übersetzt wurden. Als Kind war Herr Sabarko im Ghetto von Schargorod bei Kiew. Der Verantwortliche Sekretär der Assoziation und Leiter der Kiewer Filiale ist Herr Wasilij Michajlowskij-Kaz, Überlebender des Massenmords von Babij Jar.

Zu bestimmten Gegenwartsproblemen in der Ukraine nimmt die Assoziation Stellung: Dazu zählt ein Monitoring der antisemitischen Publikationen und Straftaten mit antisemitischem Hintergrund und entsprechenden Veröffentlichungen.

KONTAKTE-KOHTAKTbI pflegt seit 2003 mit der Ukrainischen Assoziation der Jüdischen KZ- und Ghettoüberlebenden partnerschaftliche Beziehungen. Vorwiegend handelt es sich um die Verteilung von Spenden für hilfsbedürftige Assoziationsmitglieder vor Ort. Viele hoch betagte Mitglieder haben keine Leistungen nach dem CEF erhalten, weil sie eine „nicht ausreichende“ Zeit, d.h. weniger als 12 bzw. 6 Monate, in einem Ghetto oder KZ waren. Auch mehrere Juden, die als Minderjährige im Versteck überlebten, erfüllen die Voraussetzungen von mindestens 18 Monaten nicht und sind somit nicht „leistungsberechtigt“. Diese Menschen verfügen in der Regel nur über selbst für ukrainische Verhältnisse kleine Renten, weil sie nicht genügend Beitragsjahre nachweisen konnten. Die Spenden werden hauptsächlich für Medikamente und medizinische Behandlungen verwendet. Des weiteren zählt die Assoziation zu unseren Veranstaltungs- und Projektpartnern in der Ukraine. Die jüdischen NS-Geschädigten waren im Jahr 2003 Zeitzeugen bei einem Sommercamp von Schülergruppen aus Berlin, Kiew, Moskau, Minsk.

Seit 1. November 2012 können auch die „vergessenen“ Shoa-Überlebenden Anträge auf Leistungen durch das Bundesfinanzministerium stellen. Darunter auch von uns bisher Begünstigte, die im Versteck überlebten: Minister Schäuble vereinbarte mit der Jewish Claims Conference einmalige Zahlungen von 2.556 €. Wer mindestens sechs Monate im Versteck überlebte, erhält eine lebenslange monatsrente von 300 €. Damit werden die Shoa-Überlebenden nicht mehr aus Spendenmitteln des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer begünstigt. Bei besonderen Härtefällen, die unsere Partner melden, können wir jedoch zweckgebundene Spenden auszahlen, die ein Hamburger Theologe unter dem Kennwort „Ghettoüberlebende“ einwirbt.

Antisemitismus in der Ukraine.

Am 29. April 2008 veranstaltete KONTAKTE-KOHTAKTbI in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Auschwitz Komitee und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ein Podiumsgespräch über Antisemitismus in der Ukraine. Referenten waren Dr. Boris Zabarko, Präsident der Ukrainischen Assoziation der Jüdischen Ghetto- und KZ-Überlebenden und Wassilij Michailowskij, Babij-Jar-Überlebender.

W. Michailowskij (links) und B. Zabarko
(Foto: Dieter Arbeiter).

Zabarko stellte die größte Privatuniversität der Ukraine in den Mittelpunkt seiner Anklage: die „Interregionale Akademie für Personalmanagement“ (MAUP). In Zusammenhang mit der MAUP wurde die damalige politische Prominenz des Landes genannt, unter anderem Julia Timoschenko und Wiktor Juschtschenko. 85% aller antisemitischen Publikationen in der Ukraine werden von der MAUP herausgegeben. Zabarko listete monströse Titel auf, die aus der Feder eines Alfred Rosenbergs stammen könnten. Die Gefahr der intellektuellen Brandstiftung liegt in der Mischung aus ultranationalistischer Ideologie, „traditionellem“ europäischem Antisemitismus mit arabischem Anti-Israelismus. Die MAUP ist eingebunden in das internationale Netzwerk rechtsextremistischer Vereinigungen.

Unter den rund hundert Zuhörern waren einige nationalistische ukrainische Studenten, die mit Empörung auf die Ausführungen Zabarkos reagierten und sich voller Überzeugung antisemitisch äußerten.

Seit der Regierungszeit von Wiktor Janukowytsch dominiert im Westen eine negative Berichterstattung über die Ukraine. Selten wird dabei Bezug genommen auf extrem nationalistische und antisemitische Strömungen, die sich in der Partei „Swoboda“ bündeln. Diese Partei sieht sich als Nachfolgerin der OUN (Organisation der Ukrainischen Nationalisten), ist geistesverwandt mit der NPD und erhält vorwiegend in der Westukraine Zulauf. Wir verharmlosen sie im Gegensatz zur geläufigen Berichterstattung nicht als „rechtspopulistisch“, sondern bezeichnen sie als faschistische Partei.

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